Braunfelser Feuerwehr rückte im vergangenen Jahr auch an Heiligabend aus
Einsatz bis an Grenze der Belastung
Braunfels (lr). Die Braunfelser Einsatzabteilung musste 2011 insgesamt 103 Mal ausrücken. Gerade im Dezember gingen die Alarmierungen an die Grenze der Belastbarkeit der freiwilligen Feuerwehrleute. Diese Bilanz zog Wehrführer und Stadtbrandinspektor Michael Rack bei der Hauptversammlung. Dazu begrüßte er auch Bürgermeister Wolfgang Keller (parteilos), Stadtverordnetenvorsteher Volker Zimmerschied (SPD) sowie die Stadträte Hartmut Müller (CDU) und Detlef Lückel (parteilos).Großes Lob zollte die Stadt den Mitgliedern der Feuerwehr. Die Männer und Frauen setzten sich über die Maßen für den Brandschutz ein, so Keller. Einige Einsatzkräfte hätten bis zu 130 Stunden geleistet. Bei einigen sei allerdings das Maß der Belastbarkeit an der Grenze angekommen. Zudem sei die Feuerwehr ein gutes Beispiel interkommunaler Zusammenarbeit, hob Keller hervor. So reinigten und prüften die Braunfelser Schläuche und Atemschutzräte auch für Nachbarwehren. 2011 baute die Stadt für die Feuerwehr eine Abgasabsauganlage in das Gerätehaus ein. Ein Atemluftkompressor ist ersetzt worden. Das Löschfahrzeug LF 16 wurde in den Dienst genommen. Das rund 238 000 Euro teure und 300 PS starke Fahrzeug hat eine Pumpe mit einer Maximalförderleistung von 2000 Litern pro Minute und Platz für neun Feuerwehrleute.
Keller wies darauf hin, dass die Wehren dieses Jahr mit Digitalfunk ausgerüstet werden. 70 Prozent der Kosten müssten die Kommunen tragen. Der Magistrat hat laut Keller zudem die Ausschreibung für ein ELW 1, ein Fahrzeug für die Einsatzleitung, auf den Weg gebracht.
In der nächsten Sitzung berät das Braunfelser Stadtparlament über den geplanten Anbau an das Gerätehaus. In der Vergangenheit war diese Diskussion von der finanziell schwierigen Situation der Stadt geprägt.
Wehrführer Rack zeigte sich zuversichtlich, dass jetzt ein Kompromiss gefunden wird, der sowohl den gesetzlichen Vorgaben als auch den Möglichkeiten des Haushalts entspreche. Bei dem Umbau soll vor allem ein von den Fahrzeugen getrennter Umkleidebereich entstehen.

Der Förderverein Feuerwehr ehrte Mitglieder für langjährige Treue. Von links: Walter Hey und Jochen Himmelreich, denen Vorsitzender Dirk Steinmüller die Ehrungen und Nadeln überreichte. (Fotos: Rühl)
Im vergangenen Jahr rückte die Wehr zu 22 Bränden aus. Die Einsatzkräfte retteten neun Menschen oder befreiten sie aus einer Zwangslage. 46 Mal war darüber hinaus die technische Hilfeleistung der Feuerwehrleute gefragt. Hinzu kamen Brandsicherungswachdienste und Einsätze, bei denen die Hilfe beim Eintreffen nicht mehr benötigt wurde.
Das Jahr 2012 verlief dagegen bislang ruhig, so Rack. Im Dezember hatte es gleich zwei Brände in Braunfels gegeben. Einer davon riss die ehrenamtlichen Helfer an Heiligabend aus den Feiern sowie aus dem Gottesdienst in der Kirche. Doch die Feuerwehrkameraden seien mit dem Gefühl zurückgekehrt, Menschen gerettet und eine Ausbreitung des Feuers verhindert zu haben. Aber auch mit dem Gefühl, die Familie während der Feier im Stich gelassen zu haben. Hinzu kam Mitte Dezember noch der Großbrand in Burgsolms. Der Monat sei eine große Belastung gewesen und habe bei zehn Einsätzen mit 338 Stunden viel Arbeit in den Werkstätten verursacht.
Darüber hinaus waren die Feuerwehrleute dreimal in Kindergärten zwecks Brandschutzerziehung und zweimal zur sonstigen Brandschutzaufklärung unterwegs.
Derzeit gehören der Einsatzabteilung 38 Frauen und Männer an, zwei weniger als im Vorjahr. Die Ehren- und Altersabteilung zählt 17 Mitglieder, eines weniger als 2010.
In seinem Bericht über die Jugendabteilung stellte Leiter Torsten Wilfing fest, dass die Zahl der Nachwuchskräfte im Vergleich zum Vorjahr von zehn auf acht zurückgegangen ist. Um die Zukunft zu sichern, hatte die Jugendfeuerwehr in allen fünften Klassen über ihre Arbeit informiert. Allerdings habe sich kein Schüler für das Engagement in der Jugendfeuerwehr begeistern lassen, so Wilfling. Eine Übung aller Braunfelser Jugendwehren soll dieses Jahr zumindest die bestehenden Gruppen motivieren. Wilfling gab nach der Bilanz aus beruflichen und persönlichen Gründen seinen Posten ab. An seine Stelle wurde Matthias Grün gewählt. Wilfling bleibt Stellvertreter.
Bei den Vorstandswahlen im Feuerwehrverein wurde Dirk Steinmüller als Vorsitzender bestätigt. Auch Rechnungsführer Jörg Dietrich, dessen Stellvertreter Markus Adolph, Schriftführer Wolfram Gabriel und sein Stellvertreter René Hundert sind wieder dabei.
Die Einsatzabteilung wählte Rack erneut zum Wehrführer und Michael Gossmann zum Stellvertreter. Nicht besetzt ist die Position des hauptamtlichen Gerätewarts, nachdem der Amtsinhaber 2010 in den Ruhestand ging. Die Pflege und Wartung bedeuten einen enormen Zeitaufwand, der von Ehrenamtlichen nicht zu leisten sei, so Rack. So könnten Prüfinterwalle nur durch den an die Belastungsgrenze gehenden Einsatz einiger Feuerwehrkameraden eingehalten werden. Auch der Hessentag beschäftigt die Wehr. Alle Nachbarwehren von Wetzlar sind aufgerufen, bei der Brandschutzsicherung täglich 25 von 50 bis 100 Einsatzkräften zu stellen.
Wehrführer Michael Rack überreichte Matthias Grün in der Sitzung die Beförderungen zum Oberfeuerwehrmann. Für langjährige Treue zum Feuerwehrverein ehrte Vorsitzender Dirk Steinmüller Walter Hey (50 Jahre) sowie Jochen Himmelreich (40 Jahre).
Dirk Steinmüller berichtete, dass die Zahl der Mitglieder von 676 Ende 2010 auf jetzt 612 Mitglieder zurückgegangen ist. Dem müsse entgegengetreten werden. Finanziere sich die Förderung des Brandschutzes durch den Verein doch vor allem über die Mitgliedsbeiträge. Als einen der Höhepunkte 2011 nannte Steinmüller den Tag der offenen Tür mit 600 Besuchern. Der Vereinschef kündigte als Winterwanderung den Besuch des Hausertorstollens in Wetzlar an.
Für den 5. Mai ist die Hauptversammlung aller Braunfelser Stadtteilwehren vorgesehen, an Himmelfahrt folgt das Bäuchlingsgrillen. Am 15. und 16. September steht der Tag der offenen Tür auf dem Programm, am 15. Dezember die Weihnachtsfeier.


